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Titel:
Wollschweine, Riesenesel und Steinschafe
Alles über seltene Haustiere und ihre Anfänge in der Steinzeit
Referent: Stefanie Klingel, Tierpädagogin "Arche Warder"
Datum: 30.01.2010
Beginn: 10:30 Uhr
Ort: Aula der Jacob-Lienau-Realschule Neustadt
Beschreibung: Gab es Käsebrote schon in der Steinzeit? Ein Blick auf unseren Frühstückstisch verrät es: Milch, Eier, Käse, Wurst - vieles was zu unserem täglichen Leben dazugehört bekommen wir von Nutztieren. Doch dies war nicht immer so! Erst in der Jungsteinzeit entstand die Idee, Haustiere zu halten.
Der Vortrag erklärt den Kindern, wie die ersten Nutztiere in der Steinzeit gehalten wurden und was sich dadurch verändert hat. Mit einer Reise durch die Zeit erfahren die Kinder, wie seitdem eine große Vielfalt an verschiedenen Nutztierrassen entstanden und warum diese heute bedroht ist.

Die Arche Warder ist Europas größter Tierpark für seltene und vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen.
Auf 40 Hektar leben Angler Sattelschweine, Telemark-Rinder, Alt-Oldenburger Pferde, Lockengänse, Westfälische Totleger - insgesamt rund 800 Tiere aus 70 verschiedenen Rassen. Früher weit verbreitet, zählen viele dieser Rassen heute weniger als 200 Tiere weltweit. Eine bedrohlich geringe Zahl. Denn die Mindestbestandszahlen für eine Bestandssicherung liegen je nach Rasse zwischen 5000 bis 7500 Tieren.

Die Arche Warder kämpft für die Erhaltung dieser gefährdeten Rassen. Durch Zucht sollen die wertvollen, alten Rassen erhalten werden, die Bestände vergrößert und damit ein Beitrag für die Landwirtschaft geleistet werden.

Einen Schwerpunkt setzt die Arche Warder in der Umweltbildung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Natur- und Erlebnispädagogik soll das "Be-greifen" von Tieren vermitteln.

Zum Vortrag:

Ein Käsebrot zu essen ist etwas Selbstverständliches, doch für ein Käsebrot braucht man Milch von Haustieren, einer Kuh, einem Schaf oder einer Ziege und Getreide. Es gab das Käsebrot also erst nachdem der Mensch Haustiere hatte und Ackerbau betrieb. Doch zu welcher Zeit war das?

Das erste Haustier des Menschen war der Hund. Die Stammform des Hundes ist der Wolf, von ihm stammen alle Hunde ab. Vor etwa15.000 Jahren hatte der Mensch anscheinend bereits Hunde als Haustiere: ein Fund aus einem steinzeitlichen Grab in Oberkassel bei Bonn belegt das. Dort wurde in einem Doppelgrab eines Mannes und einer Frau ein Teil eines Gebisses vom Hund gefunden.
Doch Hinweise auf Schafe, Ziegen und andere Haustiere gab es zu dieser Zeit noch nicht und die Menschen bauten nach heutigen Erkenntnissen auch noch kein Getreide an. Der Hund ist also das älteste Haustier des Menschen.

Was ist das besondere an Haustieren?

Bei einem Haustier hat ein ganz besonderer Entwicklungsgang stattgefunden, der Prozeß der Haustierwerdung durch den Menschen. Haustierwerdung wird mit einem Fremdwort auch als Domestikation bezeichnet. In diesem Wort steckt das lateinische Wort "domus" für Haus. Bis aus dem Wildtier Wolf, das Haustier Hund wurde geschahen einige Veränderungen und diese sind ganz typisch für die Haustierwerdung. Dazu gehört z.B. die Abnahme der Gehirnmasse, auch Änderung der Fellfarbe von Tarnfarben hin zu vielfältigeren, auffälligen Farbvarianten, wie z.B. schwarz-weiß gefleckt, aber auch Änderungen im Verhalten, wie z.B. geringeres Fluchtverhalten und geringere Aggressivität und die Verstärkung der für den Menschen nützlichen Eigenschaften (z. B. Milchleistung) gehören dazu.
Diese Zeit in der der Hund das erste Haustier des Menschen wurde, wird als Altsteinzeit bezeichnet.

Wieso heißt die Steinzeit eigentlich Steinzeit?

Die Steinzeit wurde von den Forschern Steinzeit genannt, weil damals Steine ein sehr wichtiges Werkmaterial waren. Heute sind unsere Werkzeuge wie Messer, Scheren, Beile und Sägen allesamt aus Metall. Doch das Metall war damals noch nicht erfunden. Deswegen benutzten die Menschen in der Steinzeit andere Materialien um Werkzeuge herzustellen: z.B. Flintsteine
Natürlich haben sie auch Holz, Knochen, Zähne und Geweihe benutzt, doch diese Materialien verwittern und verrotten leicht. Die meisten Fundstücke aus dieser Zeit sind daher aus Stein und deswegen wurde diese Zeit Steinzeit genannt. Die Steinzeit ist ein sehr langer Zeitabschnitt in der Geschichte des Menschen. Sie begann vor 2,6 Millionen Jahren und endet als die Menschen das Metall entdeckten.
Weil dieser Abschnitt so lang ist, wurde er von Wissenschaftlern noch mal aufgeteilt und zwar in die Altsteinzeit, die Mittelsteinzeit und die Jungsteinzeit.

Für unsere Suche nach dem ersten Käsebrot ist die Jungsteinzeit die richtige Zeit. Damals geschah nämlich etwas, was von den Forschern gerne auch als Revolution bezeichnet wird - also eine Umwälzung, ein Wandel. Begonnen hat diese Umwandlung vor etwa 11.000-12.000 Jahren in einem Gebiet, das als fruchtbarer Halbmond bezeichnet wird. Heutige Länder die an diesem Halbmond liegen sind z.B. die Türkei, Israel/Palästina, Jordanien, Libanon, Syrien, der Irak und der Iran.
Damals wurden aus den steinzeitlichen Jägern und Sammlern die ersten Bauern.
Bis diese neue Lebensweise in Norddeutschland angelangte, vergingen viele Jahre. Bis um 5000 Jahre vor Christus lebten die Menschen hier weiterhin als Jäger und Sammler.

Um 3200 vor Christus lebten die Menschen auch in Norddeutschland in kleinen Siedlungen mit ihren Haustieren. Sie errichteten Häuser, bauten Emmer, Einkorn und Gerste an und hielten Hunde, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen als Haustiere. Sie legten Vorräte an und töpferten Gefäße aus Lehm. Nach der Form dieser Gefäße wurde ihre Kultur von den Archäologen Trichterbecherkultur genannt.


Was für Vorteile hatte die Menschen durch die Haustiere?

Zunächst nutzen sie die Haustiere wahrscheinlich hauptsächlich für Fleisch, Leder und Felle, ähnlich wie sie auch ihre Jagdbeute die Wildtiere genutzt hatten. Doch gab es durch die Haustiere nun eine viel größere Sicherheit, dass die nächste Mahlzeit gesichert war - die Menschen waren nicht länger auf das Jagdglück angewiesen. Bald jedoch entdeckten die Menschen an ihren Haustieren noch andere gute Eigenschaften: Sie konnten zum Beispiel bei der Feldarbeit helfen oder Lasten tragen. Und schließlich entdeckten sie auch die Milch ihrer Kühe, Schafe und Ziegen und lernten sie zu melken. Bis zum ersten Käsebrot war es dann nicht mehr weit. Vermutlich wurde Käse durch einen Zufall entdeckt, als Milch in der Sonne oder zu nah am Feuer stand und die Milch anfing zu gerinnen.
Die Haustiere wurden für den Menschen also immer wichtiger und er züchtete verschiedene Rassen.

Was ist eine Rasse?

Jeder kennt Hunderassen. Obwohl der Stammvater aller Hunde der Wolf ist, sehen die verschiedenen Hunderassen ganz unterschiedlich aus und bei einigen, wie dem Pekinesen, kann man sich eine enge Verwandtschaft mit dem Wolf nicht vorstellen. Dies ist das Werk des Menschen und seiner Zucht über die 15.000 Jahre seit es den Hund gibt. Bei der Zucht kontrolliert der Mensch die Fortpflanzung und achtet drauf welche Tiere sich paaren, so kann er verschiedene Eigenschaften, wie langes Fell, große Schlappohren oder winzige Größe herauszüchten.
So wie bei den Hunden sind auch bei den anderen Haustieren viele Rassen entstanden. Es sind zum Beispiel verschiedene Rassen in unterschiedlichen Landschafts- und Klimazonen entstanden: Moorschnucken sind bestens angepaßt für feuchte und moorige Böden, Hinterwälder Rinder können besonders gut am Berg grasen und in kalten und regnerischen Gebieten haben die Tierrassen ein dichtes Fell.

Leider sind viele dieser Rassen heute bedroht: zum Beispiel das Wollschwein, der Riesenesel oder das Steinschaf.

Das liegt daran, dass der Mensch aus einigen Tieren richtige Hochleistungstiere gezüchtet hat, z.B. Kühe, die sehr viel Milch geben, oder Hühner, die über 300 Eier pro Jahr legen. Dadurch sind andere Rassen, die weiniger Leistung bringen, oft in Vergessenheit geraten, obwohl sie viele andere positive Eigenschaften haben, wie Robustheit, gute Muttereigenschaften oder Wetterunempfindlichkeit.

-Was kann ich tun?
Produkte von seltenen Haustierrassen kaufen, essen
über sie reden / anderen von ihnen erzählen
über die Vorteile alter Rassen forschen
Einrichtungen, die sich mit dem Erhalt beschäftigen, besuchen /
unterstützen (z. B. Arche-Höfe / Arche Warder / …..)
selber solche Rassen halten